„Wenn Mangroven verschwinden, verlieren die Menschen mehr als nur Bäume“

„Wenn Mangroven verschwinden, verlieren die Menschen mehr als nur Bäume“

Unser erweitertes JEDI-Engagement als B Corp™ Du liest „Wenn Mangroven verschwinden, verlieren die Menschen mehr als nur Bäume“ 6 Minuten

Das erste Projekt, das wir mit unserem Care Collective Fund unterstützen, ist Community Based Environmental Conservation (COBEC) in Kenia. Im Mittelpunkt stehen die Wiederherstellung von Mangroven und die Stärkung der Klimaresilienz in Mida Creek. Gemeinsam mit Frauen, Jugendlichen, lokalen Naturschutzgruppen und weiteren Partner:innen arbeitet COBEC daran, geschädigte Mangrovenökosysteme wiederherzustellen.

Im Interview spricht Edward S. Mwamuye, Programmleiter bei COBEC, über das Projekt und darüber, was COBEC mit der Unterstützung des Care Collective Fund erreichen möchte.

Gemeindemitglieder bei der Wiederherstellung des Mangrovenlebensraums in Mida Creek, Kenia.

 

Warum wurde euer Projekt ins Leben gerufen?

Edward S. Mwamuye: Wir haben das Projekt gestartet, weil das Mangrovenökosystem von Mida Creek zunehmend unter Druck gerät: durch die Folgen des Klimawandels, illegale Abholzung, eine unzureichende natürliche Regeneration, Sedimentation und die Abhängigkeit der umliegenden Gemeinden von natürlichen Ressourcen. Wenn Mangroven zurückgehen, verlieren die Menschen vor Ort mehr als nur Bäume: Sie verlieren wichtige Lebensräume für Fische, den Schutz der Küstenlinie, Biodiversität, Kohlenstoffspeicher und ein natürliches Sicherheitsnetz gegen die Folgen von Klimaveränderungen.

Für COBEC ist die Wiederherstellung der Mangroven deshalb weit mehr als eine reine Umweltmaßnahme. Es geht auch um die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden, um Würde und um lokale Verantwortung. Frauen, Jugendliche, Fischerinnen und Fischer sowie besonders gefährdete Haushalte sind von der Zerstörung der Küstenökosysteme besonders stark betroffen. Gleichzeitig gehören sie zu den wichtigsten Hüterinnen und Hütern dieser Ökosysteme, wenn sie die nötigen Kenntnisse, Ressourcen und Möglichkeiten erhalten.

Wir haben dieses Projekt ins Leben gerufen, um die Gemeinden ins Zentrum der Wiederherstellung zu stellen und geschädigte Flächen in lebendige Beispiele für Erholung und neue Hoffnung zu verwandeln.

Was genau tut ihr vor Ort und wie sieht ein typischer Arbeitstag für euch aus?

Edward S. Mwamuye: Vor Ort mobilisieren wir Gemeindemitglieder, identifizieren geschädigte Mangrovenflächen, bauen und betreiben Baumschulen, ziehen Setzlinge heran, pflanzen Mangroven, überwachen ihre Entwicklung und kümmern uns um die wiederhergestellten Flächen. Dabei orientieren wir uns an den Prinzipien der Community-Based Ecological Mangrove Restoration. Das bedeutet: Wir pflanzen nicht einfach nur Setzlinge, sondern berücksichtigen auch die Eignung des Standorts, die Hydrologie, die natürliche Regeneration, bestehende Gefährdungen und den langfristigen Schutz der Flächen.

Im Rahmen des Projekts sollen 20.000 Mangrovensetzlinge herangezogen und gepflanzt und insgesamt fünf Hektar geschädigter Mangrovenlebensraum in Mida Creek wiederhergestellt werden.

Ein typischer Arbeitstag beginnt beispielsweise damit, dass sich das COBEC-Team mit Gemeindemitgliedern an einem Wiederherstellungsstandort oder in einer Baumschule trifft. Gemeinsam überprüfen wir die Setzlinge, bereiten Pflanzflächen vor, erfassen Felddaten, markieren Wiederherstellungsflächen, besprechen die Gezeitenbedingungen und zeigen Frauen- und Jugendgruppen, wie sie richtig pflanzen und die Flächen pflegen.

An manchen Tagen stehen Schulungen im Mittelpunkt, an anderen sind wir im Feld unterwegs, um Fortschritte zu messen, GPS-Daten zu erfassen, Ergebnisse fotografisch zu dokumentieren oder uns mit lokalen Führungspersönlichkeiten, Fischerei- und Waldnutzergemeinschaften sowie staatlichen Stellen auszutauschen.

Die Arbeit ist handfest, oft schlammig und immer gemeinschaftsorientiert. Gleichzeitig ist sie unglaublich erfüllend, denn jeder gepflanzte Setzling steht für ein gemeinsames Engagement für die Zukunft.

Was war bisher eure größte Herausforderung und was habt ihr daraus gelernt?

Edward S. Mwamuye: Eine unserer größten Herausforderungen besteht darin, sicherzustellen, dass die Wiederherstellung tatsächlich ökologisch wirksam ist und nicht nur symbolischen Charakter hat. An vielen Orten wird der Erfolg von Mangrovenprojekten daran gemessen, wie viele Setzlinge gepflanzt wurden. Doch allein das Pflanzen garantiert noch keine Erholung des Ökosystems.

Setzlinge können absterben, wenn die Hydrologie beeinträchtigt ist, die gewählten Arten nicht zum jeweiligen Standort passen oder die Pflege nach der Pflanzung nicht ausreicht. Unser strategischer Plan macht dies deutlich: Die Zahl der gepflanzten Setzlinge allein sagt nichts über den Erfolg einer Wiederherstellung aus. Entscheidend sind vielmehr die Hydrologie, die Eignung des Standorts, die natürliche Regeneration, die Überlebensrate und ein langfristiges Management.

Wir haben gelernt, dass erfolgreiche Wiederherstellung Geduld, wissenschaftliche Erkenntnisse und das Vertrauen der Gemeinden erfordert. Es ist wichtig, lokales Wissen einzubeziehen, Standorte sorgfältig zu beurteilen, lokale Gemeinschaftsstrukturen einzubinden und auch nach der Pflanzung kontinuierlich zu beobachten.

Wir haben außerdem gelernt, dass Frauen und Jugendliche nicht nur Begünstigte sind. Sie übernehmen Führungsrollen, bringen wichtiges Wissen aus der Praxis ein, überwachen die Entwicklung der Flächen und sind langfristig entscheidend für deren Schutz.

Was bedeutet die Unterstützung durch den Care Collective Fund konkret für euer Projekt?

Edward S. Mwamuye: Die Unterstützung durch den Care Collective Fund ermöglicht es uns, unsere Vision in konkrete Maßnahmen vor Ort in Mida Creek zu überführen. Konkret hilft uns die Förderung dabei, gemeinschaftlich betriebene Baumschulen aufzubauen und zu unterhalten, 20.000 Mangrovensetzlinge heranzuziehen und zu pflanzen, Frauen und Jugendliche zu schulen, Monitoringmaßnahmen durchzuführen und die wiederhergestellten Flächen während der Projektlaufzeit zu schützen.

Dieser Support würdigt außerdem die Menschen vor Ort, die sich bereits für den Schutz der Küste einsetzen – häufig mit nur begrenzten Ressourcen. Für die Gemeinschaft bedeutet die Förderung praktische Werkzeuge, Schulungen, Unterstützung bei der Koordination vor Ort und zusätzliche Motivation, sich weiterhin für den Schutz ihres Mangrovenökosystems einzusetzen.

Uns hilft sie, unsere Fortschritte messbar und sichtbar zu machen, etwa anhand der wiederhergestellten Flächen, der Überlebensrate der Setzlinge, der Beteiligung der Gemeinschaft, der Erholung der Biodiversität und der Fortschritte bei der Klimaresilienz.

Die Unterstützung hilft uns außerdem dabei, das Projekt als Fallbeispiel zu dokumentieren, das ähnliche Wiederherstellungsinitiativen in anderen Küstenregionen inspirieren kann.

Was möchtet ihr in den kommenden zwölf Monaten erreichen?

Edward S. Mwamuye: In den kommenden zwölf Monaten möchten wir fünf Hektar geschädigten Mangrovenlebensraum in Mida Creek wiederherstellen, 20.000 Mangrovensetzlinge pflanzen und pflegen und eine Überlebensrate von mindestens 80 Prozent erreichen. Außerdem möchten wir 100 Frauen, Jugendliche und weitere Gemeindemitglieder in den Bereichen Mangrovenwiederherstellung, Klimaresilienz, Baumschulmanagement und ökologisches Monitoring schulen.

Über diese konkreten Ziele hinaus hoffen wir auf eine stärkere lokale Verantwortung, ein größeres Bewusstsein für den Wert der Mangroven, einen besseren Schutz der wiederhergestellten Flächen und eine stärkere Beteiligung von Frauen und Jugendlichen an der Naturschutzarbeit und in Führungsrollen.

Bis zum Ende des Projekts soll die wiederhergestellte Fläche sichtbare Zeichen der Erholung zeigen: eine verbesserte Überlebensrate der Setzlinge, natürliche Regeneration, einen stärkeren Schutz der Küstenlinie und neuen Lebensraum für Fische und andere Arten.

Vor allem möchten wir, dass dieses Projekt zu einem lebendigen Beispiel für erfolgreiche, gemeinschaftsgetragene Mangrovenwiederherstellung wird. Es soll zeigen, dass Menschen vor Ort Ökosysteme wiederherstellen und Resilienz für kommende Generationen aufbauen können, wenn man ihnen vertraut, sie mit den nötigen Mitteln ausstattet und sie unterstützt.